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Körperlich aktiv? In jedem Alter!

Ricarda Baake

Die Wunschvorstellung eines erfolgreichen Alterns impliziert meist ein gesundes und unabhängiges Altern. Zu den Grundvoraussetzungen hierfür zählt neben der geistigen Gesundheit vor allem eine gute körperliche Verfassung. Auf der Suche nach effektiven, kostengünstigen und nicht-invasiven Therapiemöglichkeiten für unsere alternde Gesellschaft ist die physische Fitness ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus von Öffentlichkeit und Forschung gerückt. Körperliche Aktivität konnte hierbei auf Grund ihres Zusammenhangs mit verschiedenen kardiovaskulären Risikofaktoren (u.a. arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, usw.) als effektive Präventionsmaßnahme bestätigt werden. Durch eine verbesserte kardiovaskuläre Fitness kann man diversen Erkrankungen – kardiovaskulären wie auch neurologischen – vorbeugen und sogar der Hirnatrophie (als Ausdruck für Hirnalterung) entgegenwirken 1.

Empfehlungen zur körperlichen Aktivität für Ältere

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät konsequenterweise zu einem möglichst aktiven Lebensstil über die gesamte menschliche Lebensspanne. Für gesunde Ältere über 60 Jahren empfiehlt sie in ihren Richtlinien ein Mindestmaß von 150 Minuten aerober körperlicher Aktivität in der Woche. Die empfohlene moderate Intensität sollte bei ca. 50-60% der individuellen Maximalbelastung liegen (http://www.who.int/dietphysicalactivity/global-PA-recs-2010.pdf).

Bisher galt ein Ausdauertraining mit mittlerer Intensität als erfolgreichste Trainingsform im fortgeschrittenen Alter 2, jedoch mehren sich die Bewegungsinterventionen, die dem Krafttraining einen positiven Effekt auf Physis und geistige Leistungsfähigkeit nachweisen, stetig. Es wird insbesondere bezüglich einer angestrebten Aufrechterhaltung oder Verbesserung der geistigen Leistung als sinnvolle Alternative zum Ausdauertraining betrachtet 3.

Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Gesundheit

Unabhängig von der favorisierten Trainingsform konnte ein Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Aktivität belegt werden. Durch eine regelmäßige körperliche Aktivität können auch Ältere ihre kognitive Leistungsfähigkeit und die mit Anpassungsfähigkeit verbundene Plastizität ihres Gehirns verbessern 4-6. Sie können durch eine stabilisierte oder gesteigerte physische und geistige Leistungsfähigkeit widerstandsfähiger (resilienter) gegenüber pathologischen Veränderungen des Gehirns werden, wie etwa der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz.

Demenz und körperliche Aktivität

Insbesondere bezüglich dementieller Erkrankungen gilt körperliche Aktivität mehr denn je als geeigneter Präventionsansatz 7. Menschen, die im mittleren Lebensalter ein hohes Maß an körperlicher Aktivität aufweisen, können ihr Risiko für das spätere Auftreten einer Alzheimer-Demenz nachweislich senken 8. Selbst im Falle einer bereits vorliegenden dementiellen Erkrankung kann körperliche Aktivität die Kognition der Betroffenen stets positiv beeinflussen 9. Ein weiterer möglicher Wirkungsmechanismus von Aktivität, die Reduzierung von β-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, konnte in ersten Tier-experimentellen Versuchen bereits belegt werden 10, 11. Einigen Studien zufolge liegt bei Alzheimer-Patienten oftmals eine chronisch verringerte kardiovaskuläre Fitness vor, welche wiederum die Progression der Erkrankung unterstützt 1. Sattler und Kollegen 12 sehen die physische Fitness sogar als Prädiktor für den kognitiven Abbau an.

Körperliche Aktivität bei Altersdepression

Abgesehen von ihren physischen und kognitiven Effekten werden zunehmend die Effekte von körperlicher Aktivität auf affektiver und sozialer Ebene diskutiert 13. Es ist bekannt, dass körperliche Aktivität Stress beeinflussen 14 und die (subjektive) Lebensqualität steigern kann. In Bezug auf die Altersdepression, die psychische Erkrankung mit der zweithöchsten Prävalenzrate im Alter, ist die aktuelle Studienlage allerdings spärlich. Während antidepressive Effekte von Bewegung im mittleren Erwachsenenalter bereits belegt werden konnten 15, werden ältere Depressionspatienten aus diversen Gründen (physische Konstitution, Komorbiditäten, Multimedikation, usw.) meist aus Bewegungsinterventionen ausgeschlossen.  Es besteht daher ein Mangel an wissenschaftlichen Studien, die die möglichen Effekte von körperlicher Aktivität auf altersdepressive Patienten untersuchen.

Bewegungsintervention bei Altersdepression BAVA-AD_PILOT

Um erstmalige Einblicke bemüht, führen wir aktuell eine Studie zur Biofeedback-assistierten Verhaltensaktivierung bei depressiven älteren Patienten durch (BAVA-AD_PILOT). Wir möchten durch das Tragen eines Biofeedbackgeräts („Fitness-Tracker“) und regelmäßig stattfindenden therapeutischen Biofeedbacksitzungen (zweimal wöchentlich) eine (körperliche) Aktivierung der Patienten erzielen, die sich bestenfalls positiv auf ihr Stressniveau und ihre depressive Symptomatik auswirken soll.

Literatur

  1. Vidoni ED, Honea RA, Billinger SA, Swerdlow RH, Burns JM. Cardiorespiratory fitness is associated with atrophy in Alzheimer's and aging over 2 years. Neurobiol Aging 2012; 33(8): 1624–1632.
  2. Netz Y, Wu MJ, Becker BJ, Tenenbaum G. Physical activity and psychological well-being in advanced age: a meta-analysis of intervention studies. Psychol Aging 2005; 20(2): 272–284.
  3. Barnes DE, Santos-Modesitt W, Poelke, G, Kramer AF, Castro C, Middleton LE, Yaffe K. The Mental Activity and eXercise (MAX) trial: a randomized controlled trial to enhance cognitive function in older adults. JAMA Intern Med 2013; 173(9): 797–804.
  4. Smith PJ, Blumenthal JA, Hoffman BM, et al. Aerobic exercise and neurocognitive performance: a meta-analytic review of randomized controlled trials. Psychosom Med 2010; 72(3): 239–252.
  5. Gomez-Pinilla F, Hillman C. The influence of exercise on cognitive abilities. Compr Physiol 2013; 3(1): 403–428.
  6. Colcombe SJ, Erickson KI, Scalf PE, Kim JS, Prakash R, McAuley E, Elavsky S, Marquez DX, Hu L, Kramer AF. Aerobic Exercise Training Increases Brain Volume in Aging Humans. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2006; 61A(11): 1166–1170.
  7. de Bruijn RF, Schrijvers EM, de Groot KA, et al. The association between physical activity and dementia in an elderly population: the Rotterdam Study. Eur J Epidemiol 2013; 28(3): 277–283.
  8. Rovio SK, Kareholt I, Helkala E-L, Viitanen M, Winblad B, Tuomilehto J, Soininen H, Nissinen A, Kivipelto M. Leisure-time physical activity at midlife and the risk of dementia and Alzheimer’s disease. Lancet Neurol 2005; 4: 705–711.
  9. Groot C, Hooghiemstra AM, Raijmakers PG, et al. The effect of physical activity on cognitive function in patients with dementia: A meta-analysis of randomized control trials. Ageing Res Rev 2016; 25: 13–23.
  10. Head D, Bugg JM, Goate AM, et al. Exercise Engagement as a Moderator of the Effects of APOE Genotype on Amyloid Deposition. Arch Neurol 2012; 69(5): 636–643.
  11. Wirth M, Villeneuve S, La Joie R, Marks SM, Jagust WJ. Gene-environment interactions: lifetime cognitive activity, APOE genotype, and beta-amyloid burden. J Neurosci 2014; 34(25): 8612–8617.
  12. Sattler C, Erickson KI, Toro P, Schroder J. Physical fitness as a protective factor for cognitive impairment in a prospective population-based study in Germany. J Alzheimers Dis 2011; 26(4): 709–718.
  13. Haller N, Simon P. Sport und Bewegung zur Therapie und Prävention. In: Fellgiebel A, Hautzinger M, eds. Altersdepression: Ein interdisziplinäres Handbuch. Berlin, Heidelberg: Springer, 2017: 187–196.
  14. Gerber M, Puhse U. Review article: do exercise and fitness protect against stress-induced health complaints? A review of the literature. Scand J Public Health 2009; 37(8): 801–819.
  15. Cooney GM, Dwan K, Greig, CA, Lawlor DA, Rimer J, Waugh FR, McMurdo M, Mead GE. Exercise for depression (Review). Cochrane Database Syst Rev 2013; 9(9).
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