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Jetzt kommt Leben ins Haus Petersberg

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Station eingeweiht: Kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung verfügt nun über 40 Betten

Die kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung der Rheinhessen-Fachklinik (RFK), die im Juni 1999 eröffnet wurde, ist jetzt komplett ausgebaut: Gestern wurde das „haus Petersberg“, das über zwei Stationen mit insgesamt 20 Betten verfügt, offiziell eingeweiht.

„Im abschließen!“ Der rote Riesenzettel, der an der Tür im zweiten Stock hängt, ist nicht zu übersehen. Stationsleiterin Kirsten Satorius  zückte den Schlüssel und gab den Weg frei in die schließbare Station für Jugendliche. Auch wenn das Haus Petersberg heute erst eingeweiht wird - die ersten jungen Patienten kamen bereits Anfang des Jahres.

Zwei junge freundliche Mädchen sitzen im freundlichen, lichten Aufenthaltsraum, drücken sich ins blaue Kunstleder des Sofas. Die eine ist erst seit einem Tag in der Klinik, die andere schon seit zwei Wochen. Wie in einer WG sei es hier, „nur eben größer“, sagt sie und lächelt ein schüchternes Zahnspangenlächeln. Freundschaften schließt man schnell hier auf der Station. „Aber natürlich gibt’s auch Streit, wie überall.“

Schließbare Station - das bedeutet, die Eingangstür ist immer abgeschlossen. „Wir prüfen aber jeden Tag, ob wir sie öffnen können“, sagt Stationsleiterin Satorius. Vorgekommen sei das aber noch nicht - oft hängt es nur an einem Jugendendlichen, der sich oder andere gefährden könnte und deshalb unter ständiger Aufsicht stehen muss. „Die anderen jugendlichen dürfen die Station aber verlassen“, betont Kirsten Satorius.

Ein kleiner Junge hat den Ärzten die Grenzen der Sicherung schnell gezeigt. Er war einer der ersten Patienten im Hause Petersberg; nachdem er drei Tage lang nach seiner Mutter geweint hatte, kletterte er im zweiten Stock aus einem Fenster, fiel - und landete unbeschadet im Matsch. Mittlerweile sind die Fenster auch mit Gewalt nicht mehr zu öffnen.

Im ersten Stock befindet sich die Kinderstation des Hauses Petersberg. Voll eingerichtet aber noch nicht bezogen - es fehlt noch Personal. „Es wird angestrebt, die Station noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen“, so Kirsten Satorius.

Als die Kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung vor knapp zwei Jahren eröffnet wurde, stand im Haus Hunsrück „nur“ 20 Betten zur Verfügung - zu wenig um den Bedarf abzudecken. Denn die Abteilung hat einen Versorgungsauftrag für die Landkreise Alzey-Worms, Mainz-Bingen, Rhein-Hunsrück und Bad Kreuznach sowie für die Städte Mainz und Worms. Für rund 4,6 Millionen Mark wurde das Haus Petersberg generalsaniert und jugendgerecht ausgebaut.

Durch die Erweiterung der jugendpsychiatrischen Abteilung werde der Standort Alzey aufgewertet, betonte Sozialminister Florian Gerster gestern bei seiner Eröffnungsrede. Mit 40 Betten sei die Versorgungslücke bei der Kinderpsychiatrie geschlossen, sagte Norbert Finge, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses.

Leiter der Kinderpsychiatrie ist Dr. Andreas Stein. Mehr als 200 jugendliche Patienten seien in der Abteilung seit Mitte1999 stationär behandelt worden; dazu kämen 350 Kinder die ambulant betreut wurden. Stein nutzt seine Rede, um auf ein wichtiges Anliegen aufmerksam zu machen: „Es müssen komplementäre Angebote geschaffen werden.“ Viele Plätze werden von Jugendlichen belegt, die nach der stationären Behandlung nicht nach Hause gehen können; manche verbringen Jahre in Kliniken. In Worms wurde ein Anfang gemacht: Dort gibt es eine betreute Wohngruppe für psychisch kranke Jugendliche.

Kommentar
Raus aus Klinik, rein ins Leben

In der Jubelstimmung über die Erweiterung der kinderpsychiatrischen Abteilung brachte deren Leiter Dr. Stein die stillen, und nachdenklichen Töne. Er erzählte von einem jungen Mädchen, das seit zwei Jahren fast ununterbrochen hinter Klinikmauern lebt - leben muss, weil es kaum Einrichtungen gibt, die Jugendliche „auffangen“, wenn sie zwar nicht mehr stationär behandelt werden müssen, aber Betreuung brauchen.

Dieser Lebens-, ja Leidensweg einer Jugendlichen macht deutlich: So begrüßenswert die Vergrößerung der Abteilung auch ist - der Grund dafür ist ein trauriger. Es existieren Wartelisten mir Kindern, teilweise im Vorschulalter, die so schwer psychisch krank sind, dass sie stationär behandelt werden müssen. Doch diese Stationen dürfen keine Endstationen sein. Junge Menschen müssen raus aus der Klinik, so bald sie können -  und rein ins Leben. Stein betont, dass er mithelfen wolle, Angebote für solche Jugendliche zu schaffen - zum Beispiel betreute Wohngruppen. Sein Engagement ist glaubwürdig. In Alzey findet er beste Bedingungen vor - psychisch Kranke, die außerhalb der RFK leben, werden voll akzeptiert. Helfen wir alle mit, damit junge Menschen wieder Fuß fassen können - und unterstützen die Idee von WGs für psychisch behinderte Jugendliche.

Allgemeine Zeitung, 05. April 2001

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