Erinnerung an die Opfer muss bewahrt werden
Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach und Stadt Andernach gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Die Kranzniederlegung am Spiegel-Container mit (v. l.) Dr. Thorsten Junkermann (stellv. LKH-Geschäftsführer), Pflegedirektorin Yvonne Brachtendorf, Bürgermeister Claus Peitz, Oberbürgermeister Christian Greiner, dem Kaufmännischen Direktor Martin Engelhardt und dem Ärztlichen Direktor Dr. Andreas Konrad. Foto: Wolfgang Pape
Mitarbeitende und Führungskräfte der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach, Auszubildende der angegliederten Pflegeschule und die Geschäftsführung des Landeskrankenhauses haben gemeinsam mit Vertretern der Stadt Andernach der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Anlass war der 27. Januar, der internationale Gedenktag an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Pfarrer Jürgen Gundalin und Pastoralreferentin Melanie Kammerer führten durch den einleitenden Gottesdienst in der Klinikkirche. Nach dem Gottesdienst wurden am Spiegelcontainer an der Christuskirche Kränze niedergelegt.
Pfarrer Gundalin stellte im Gottesdienst die Frage, wie die Nationalsozialisten damals so viel Erfolg haben konnten. „Wie konnte das geschehen?“ Er zählte Arbeitsplätze, Aufstiegschancen, soziale Wohltaten der Machthaber wie bezahlten Urlaub und Krankenversicherungen für Rentner beispielhaft auf, die die Menschen auf ihre Seite brachte. „So wurde Deutschland reingezogen in eine Verbrechensgemeinschaft, deswegen funktionierte das System bis 1945.“ Widerstand war spärlich. „Auch Schuld und Scham trugen dazu bei“, so Gundalin, „dem System der Nazis verhaftet zu bleiben“.
Martin Engelhardt. Kaufmännischer Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik, warnte vor einer Etablierung des Rechtsextremismus. „Rechtsextreme haben die Hinterzimmer verlassen und drängen in die Mitte der Gesellschaft“, sagte er. Und es gebe wenig Widerstand. „Unser Auftrag ist es, die Erinnerung an die Menschen, die hier starben, wachzuhalten.“ Die meisten Zeitzeugen, die diese Zeit überlebten, sind 81 Jahre nach der Befreiung verstorben. Der Kaufmännische Direktor fügte an: „Der Begriff Euthanasie verschleiert perfide, was wirklich geschah.“ Und nach dem offiziellen Ende der „T4-Aktion“ fanden die Morde an kranken Menschen weiter statt.
Oberbürgermeister Christian Greiner weiß, dass Anfänge, die eine Ideologie verbreiten, die den Boden bereitet für unvorstellbare Taten, immer wieder stattfinden. „Wir dürfen nicht nachlassen, uns der historischen Verantwortung zu stellen.“ Es brauche ein Begreifen der Geschehnisse von damals. „Gedenken brauche einen Standpunkt, Erinnerung braucht Wissen“, sagte er. Wir alle müssten wachsam sein und als Gesellschaft gegen ein Aufkeimen vorgehen. „Es ist an uns, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren.“ Wolfgang Pape