Auswirkungen der Corona-Pandemie auf psychiatrische Behandlungen

Auch am Landeskrankenhaus geht die aktuelle Corona-Pandemie nicht spurlos vorbei. So ist die Mehrbelastung der vergangenen Wochen bei all unseren Patienten deutlich zu spüren.

Der einzeltherapeutische Gesprächsbedarf hat sich bei unseren besonders sensiblen psychisch kranken Patienten merklich erhöht. Insbesondere die behördlich angeordnete Isolation der Bevölkerung führte bei vielen unserer Patienten zu einer emotionalen Destabilisierung. Dass es dadurch zu mehr Suiziden kommt, können wir bislang nicht bestätigen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Suizidgefahr steigt, da durch die strikten Einschränkungen auf das absolut Notwendigste, das Therapieangebot derzeit sehr eingeschränkt ist.

Wie bekannt, mussten alle elektiven Aufnahmen in die Klinik abgesagt werden. Es erfolgen nur noch Notfallaufnahmen. Auf den Stationen besteht Besuchsverbot. Das schafft zusätzliche Unruhe. Die Patienten sorgen sich um sich und um ihre Angehörigen. Es sind weit mehr Gespräche als normal erforderlich. Diese erfolgen aktuell fast ausschließlich im Einzelsetting. Gruppenbehandlungen sind bei den stationär zu behandelnden Patienten auf geringe Gruppengrößen mit ausreichendem Abstand zwischen allen Personen angepasst. Der Schwerpunkt der medizinisch-therapeutischen Behandlung liegt durchgehend in einer konstanten Beziehungsarbeit mit allen Betroffenen. Außerdem können Patienten mit ihren Angehörigen jederzeit Kontakt aufnehmen, da Handys auf den Stationen in dieser Zeit erlaubt sind.

Viele Menschen, die zu unseren Patienten zählen, verfolgen natürlich den Tag über die Nachrichten und ängstigen sich. Gerade ältere Patienten oder die mit Lungenerkrankungen (Neurologie) sind sehr beunruhigt. Die Patienten werden jedoch nicht allein gelassen. Die Psychotherapeuten, Ärzte, Sozialarbeiter und Pflegenden bleiben in telefonischem Kontakt mit ihren Patienten. Auch die Möglichkeiten der Videobehandlung werden genutzt. In den Tageskliniken bieten wir außerdem in ganz dringenden Fällen immer noch einzelne Therapiestunden von Angesicht zu Angesicht an. Ansonsten wurden alle ambulanten und aufsuchenden Dienste auf das absolute Minimum reduziert.  Zu allen Patienten, die zu Hause über das Telefon oder Skype versorgt werden können, wird der tägliche Kontakt mit den Behandlern und dem Pflegepersonal hergestellt. 

Oberste Ziel war und ist es, die Grund- und Notfallversorgung der Patienten aufrechtzuerhalten, auf den Stationen für die psychisch kranken Menschen, aber auch in der Neurologie der Klinik. Ein Krisenstab passt täglich den Pandemieplan der Klinik an und informiert die Mitarbeiter. Dazu gehört auch, dass eine ganze Station freigeräumt wurde, um Platz für Intensivbetten mit Beatmungsgeräten zu schaffen. Auf dieser COVID-Station werden auch zwei Psychotherapeuten eingesetzt, die sich sowohl um die Patientinnen und Patienten als auch um das Personal kümmern.

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