Demenz mit MAKS‑Therapie® bremsen

Vortrag in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach - Hohe Effektstärke der Therapie

Thomas Phlipsen-Leiyng (links) und Prof. Dr. Elmar Gräßel informierten überaus interessant zur MAKS-Therapie®.

Andernach. Weltweit sind Gesellschaften gleichermaßen mit einem großen Problem befasst: Demenz. Alleine in Deutschland sind heute bereits 1,8 Millionen Menschen betroffen, weltweit sind es rund 55 Millionen. Und es werden nach Prognosen immer mehr. Medikamentöse Behandlungen gibt es wenige und diese können auch nicht wirklich überzeugen angesichts geringer Wirkstärke und starker, gefährlicher Nebenwirkungen. Der deutsche Mediziner Prof. Dr. Elmar Gräßel entwickelte vor Jahren eine nicht-medikamentöse Therapie, die erstaunliche Erfolge vorweisen kann - MAKS®-Therapie. Nun war er mit dem MAKS®-Therapeuten und -Dozenten Thomas Phlipsen-Leiyng zu Gast in der Rhein-Mosel-Fachklinik und traf auf eine interessierte Zuhörerschaft.

Man dürfe nie vergessen, startete Thomas Phlipsen-Leiyng, „wenn wir über Demenz sprechen, sprechen wir über Menschen“. Und genau da setze die MAKS®-Therapie an. Die S3-Leitlinie zur Demenzbehandlung führe nur unimodale Module auf zur Therapie an Demenz Erkrankter, zum Beispiel kognitives Training oder Bewegungstherapie. Wenn man diese aber kombiniere, zeige sich eine größere Effektstärke. Aus dieser Erkenntnis heraus, wurde die MAKS®-Therapieentwickelt. Und so erklärt sich der Name: motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial-kommunikativ sind die Module der Therapie (die Anfangsbuchstaben führen zu „MAKS“).

Durchgeführt wird die Therapie in Kleingruppen von acht bis zwölf Teilnehmenden und man achtet tunlichst darauf, dass niemand unter- oder überfordert wird. Es gibt unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Jede MAKS®-Einheit läuft nach dem selben Schema ab, stets in der selben Länge mit gewissen Ritualen, um für die Menschen mit Demenz eine gewisse Struktur reinzubringen und einen Wiedererkennungswert zu schaffen. „Das ist sehr wichtig“, so Thomas Phlipsen-Leiyng.

Unterstützt werden die Therapeutinnen und Therapeuten durch ein eigenes Handbuch mit Übungsvorschlägen. Nach drei Jahren steht die Rezertifizierung an.

Die MAKS®-Therapie hat sich international ausgebreitet. Die Dozenten berichteten beispielhaft von Norwegen, China und Mexiko, wo wegen der großen Entfernungen in Mexiko-City bei extremem Verkehr sogar auf eine Online-Variante zurückgegriffen wird.

Bewegung und soziale Interaktion förderlich fürs Gehirn
Prof. Dr. Elmar Gräßel forscht zu Demenz und zu nicht-medikamentösen Therapien, zu psychosozialen Interventionen. Aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen sei herzuleiten, dass die kognitive Leistung eines Menschen besser wird, wenn er in Bewegung ist, dass soziale Interaktionen fürs Gehirn förderlich sind, sagte er. Das sei ein „klares Plädoyer für multimodales Lernen“.

Natürlich muss in der Wissenschaft die Wirksamkeit durch Studien nachgewiesen werden. Hierbei zeigte sich die beachtliche Wirkstärke der MAKS®-Therapie, ein Stabilisieren der Fähigkeiten der Demenzkranken. Insbesondere in Pflegeheimen und Tagespflegeeinrichtungen wird die Therapie angewandt. Dabei wurden kognitive und alltagspraktische Fähigkeiten sowie emotionale und Verhaltenssymptome untersucht, die sich bei Teilnehmenden der MAKS®-Therapie messbar stabilisierten. Nebenher waren die Gesamtkosten der Therapie geringer. Gräßel unterstrich dabei: Es geht bei der Therapie darum, Demenz zu bremsen (eine Heilung ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht möglich), also den Verlauf günstig zu beeinflussen.

Medikamentöse Therapien? Nicht so richtig überzeugend
Was sind Alternativen? Antidementiva, Medikamente gegen Alzheimer, die auf dem Markt sind, könnten niemanden ernsthaft überzeugen. Der Mediziner berichtete von Medikamenten, die eine sehr geringe Effektstärke aufwiesen, Nebenwirkungen wie ein Hirnödem haben könnten. Manche Medikamente eignen sich nicht für Frauen und nur für zehn bis 15 Prozent der Männer. Entzündungshemmer könne man nicht permanent nehmen.

Wer sich intensiver mit der MAKS®-Therapie beschäftigen möchte, findet auf der Internetseite maks-therapie.de einen guten Anlaufpunkt.

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