Dr. Marion Bauer-Hermani geht in den Ruhestand

Chefärztin der Gerontopsychiatrie war 41 Jahre lang Teil der Rhein-Mosel-Fachklinik

Dr. Marion Bauer-Hermani lag der konstruktive und wertschätzende Austausch in der Klinik immer am Herzen.

„Ich habe in der Klinik eine wunderschöne und erfüllende Zeit erlebt“, sagt Dr. Marion Bauer-Hermani. „Einiges wird mir fehlen.“ Für sie endete nach 41 Jahren eine Zeit in einem Beruf, der Erfüllung bedeutete: Die Chefärztin der Gerontopsychiatrie der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) ging vor wenigen Tagen in den Ruhestand.
 
Dass sie Medizin studiert, stand für sie immer fest, erzählt die sympathische Ärztin. Doch zunächst jobbte sie als Pflegehelferin auf der damaligen Station Frauen 2A. „Hier wurde mir beigebracht, Betten zu machen“, erzählt sie lachend. „Diese Zeit war sehr prägend.“ Dann startete Dr. Marion Bauer-Hermani das Medizinstudium an der Universität Bonn. In den Semesterferien arbeitete sie weiterhin in der Andernacher Klinik, später als Nachtwache im Krankenhaus St. Petrus Bonn.

Zum Praktischen Jahr kehrte die angehende Ärztin nach Andernach zurück, in die Radiologie des St. Nikolaus-Stiftshospitals. So gerne sie auch in der Radiologie tätig war, folgte sie dem großen Interesse für Neurologie und Psychiatrie. Gerade die Kombination hat für sie bis heute einen besonderen Reiz: Die Neurologie ist eher mathematisch-analytisch, erläutert sie, die Psychiatrie empathisch und besondere Erfahrung voraussetzend. Dieses Interesse an beiden Disziplinen setzte sich durch und Bauer-Hermani entschied sich für die Facharztausbildung Neurologie und Psychiatrie. „Die psychotherapeutische Weiterbildung musste man in dieser Zeit selbst finanzieren – teuer wie ein Kleinwagen – und wurde nicht als Arbeitszeit angerechnet“, erinnert sie sich.
 
Einst jüngste Ärztin der Klinik
Als Ärztin startete Marion Bauer-Hermani auf Station KF1 (heute PZ2) als jüngste Ärztin in der damaligen Landesnervenklinik. Sie hält kurz inne: „Und heute bin ich die älteste.“ Sie war in den ersten Jahren Privatassistentin zweier Ärztlicher Direktoren (Priv. doz. Dr. Gerd Krüger und Dr. Fritz Hilgenstock). Wenn sie an die Zeit zurückdenkt, an die kurzfristigen Arbeitsaufträge unabhängig von den Tageszeiten, weiß sie, „es waren wirklich andere Zeiten“. Aber sie lernte viel und weiß das bis heute zu schätzen. In der Neurologie arbeitete sie drei Jahre lang; bei dem Arbeitspensum könnte man vielleicht auch sagen: drei lange Jahre.
1987 folgte die Promotion, Anfang der 1990er-Jahre beendete sie erfolgreich die Facharztausbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie.
 
Erste Oberärztin in der Psychiatrie
1991 wurde Marion Bauer-Hermani die erste Oberärztin in der Psychiatrie der heutigen RMF. Zwischenzeitlich sollte Dr. Bauer-Hermani Chefärztin des Langzeitbereichs werden (heute Fördern I Wohnen I Pflegen), doch dann änderte das Land die Vorgaben und bestimmte, dass Fachleute aus dem Sozialbereich die Leitung übernehmen sollen. Aber: „Mir ging es um die Arbeit.“ Dass es erst einmal nichts wurde mit der Chefarztstelle kratzte nicht an der Seele.
 
In der Gerontopsychiatrie „läuft so vieles zusammen“
Die Gerontopsychiatrie war der Teil, der ihr bis heute „große Freude“ bereitet. „Hier läuft so vieles zusammen“, erläutert sie: Somatik, Neurologie, Psychiatrie. Das ist anspruchsvoll, für Fachleute dadurch reizvoll und im Hinblick auf die noch immer weiterlaufende Verschiebung der Alterspyramide sinnvoll für die gesamte Gesellschaft. Statistiken sprechen von einem Viertel bis zu einem Drittel der Bevölkerung ab 65, die im höheren Lebensalter psychisch erkranken, beispielsweise an Depressionen, Demenzen, Angststörungen, Anpassungsstörungen. Und oft sind diese mit körperlichen Erkrankungen und psychosozialen Belastungen durch Einsamkeit verbunden.
 
Ab 2014 Chefärztin
Nach der Oberarzttätigkeit und guten Vorbereitung durch ihren Vorgänger Dr. Andreas Korn, wurde Dr. Marion Bauer-Hermani 2014 schließlich Chefärztin der Gerontopsychiatrie. Sie freut sich über fähige Kolleginnen und Kollegen in ihrer Abteilung: „Wir waren ein super Team.“ Stets sei alles multiprofessionell gemeinsam besprochen und ausgeführt worden. Sie erzählt vom „Leuchtturmprojekt Gedächtnisambulanz“ mit der Universität Mainz, von der guten Kooperation mit dem St. Nikolaus-Stiftshospital bei der EKT (Elektrokonvulsionstherapie). Um die Patientinnen und Patienten zu schonen, wurde die EKT-Behandlung vom Andernacher Krankenhaus vor wenigen Jahren in die RMF verlegt, die Fachleute des Krankenhauses kommen dazu in die RMF. In ihrer Zeit als Chefärztin wurden teilstationäre und ambulante Angebote etabliert.
 
In all den Jahren, sagt sie, standen immer die Patientinnen und Patienten im Fokus. Die Abteilung habe immer hervorragende Leistungen erzielt und mit sehr guten Zahlen einen wesentlichen Ergebnisbeitrag für die gesamte Klinik erwirtschaftet und deren Renommee gefördert. Dr. Marion Bauer-Hermani weiß, dass dies der Verdienst des gesamten Teams ist und dankt allen, die sie auf ihrem beruflichen Weg begleiteten. Die Bedeutung der Gerontopsychiatrie sollte schon wegen des steigenden Bedarfs ausgebaut werden, ist sie überzeugt. Künftige Mitarbeitende müssten weiter für dieses interessante Fach begeistert werden.
 
Es gab aber natürlich noch mehr in den 41 Jahren Klinik. Sie erzählt lachend von den Feten, die sie mit ihrer Kollegin Dr. Ingrid Fischer organisierte – „die Pizza-Dom-Abende waren legendär“, sagt sie. Und sie engagierte sich für den Personalrat mit der Liste „Die Unabhängigen“, die zu Beginn der 2000er-Jahre sehr erfolgreich war.

Das mit der Rente ist „zweischneidig“
Und nun steht die Rente an. Wie so viele, die diese Zeit vor sich sehen, ist das auch für Marion Bauer-Hermani „zweischneidig“. Natürlich freut sie sich, endlich mehr Zeit mit ihrem Ehemann und den beiden Hunden zu erleben. „Wir haben viel vor“, die weiten und ungewöhnlichen Reisen müssen nun nicht mehr für die Urlaubszeit geplant werden. Es gibt nun mehr Zeit fürs Reiten. Ob ihr Ehemann sie vom Golfen überzeugen kann, muss sich allerdings noch zeigen.

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