Prof. Dr. Victoria Ullmer besetzt zwei Lehrstühle im Fachbereich Gesundheit und Pflege
Mitarbeiterin der Rheinhessen-Fachklinik Alzey hält Antrittsvorlesung an der Katholischen Hochschule Mainz
Mainz / Alzey. Dienstagnachmittag, Prof. Dr. Victoria Ullmer ist bereit zur Antrittsvorlesung an der Katholischen Hochschule Mainz. Nach und nach kommen die Interessierten in die Aula. Es gibt Glückwünsche, erste Fotos. Mutter und Tante von Professorin Ullmer sitzen in der ersten Reihe. Für Victoria Ullmer ist das nicht die erste Antrittsvorlesung - obwohl sie erst 33 Jahre alt ist. Im vergangenen Jahr besetzte sie den Lehrstuhl für Erweiterte Pflegekompetenz bei langfristigem Versorgungsbedarf (Schwerpunkt Psychiatrie) - eine Stiftungsprofessur - an der Katholischen Hochschule Mainz. Nun kommt noch der Lehrstuhl für Pflegewissenschaft und Pflegemanagement hinzu. Die Stiftungsprofessur läuft im kommenden Jahr aus, Prof. Dr. Ullmer bleibt der Hochschule mit der neuen Verpflichtung also erhalten.
„Sie brennt für ihre Sache“
Prof. Dr. Christian Fröhling, Rektor der Katholischen Hochschule Mainz, eröffnet mit einer Begrüßung, bezeichnet die junge Kollegin als „Gewächs der Katholischen Hochschule“. Sie werde ihre Expertise langfristig in den Lehrbetrieb einbringen. Dekanin Prof. Dr. Andrea Reißig bescheinigt Kollegin Ullmer viel Erfahrung und maximales Engagement. „Sie brennt für ihre Sache“, sagt sie. Wie ihre Vorgängerin und Förderin Brigitte Anderl-Doliwa habe sie durch das Kombinieren von Lehre und Praxis einen umfassenden Blick.
2012 Abitur, 2026 zwei Professuren
Um zu diesem Punkt zu gelangen, an dem sie nun angelangt ist, durchlief Victoria Ullmer eine Karriere im Schnelldurchlauf. Nach dem Abitur 2012 begann sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, ein Jahr später das Bachelorstudium Gesundheit und Pflege. Es folgte im direkten Anschluss das Masterstudium, danach die Promotion. Sie arbeitete die gesamte Zeit über weiter an der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, gewissermaßen ihre berufliche Alma mater, absolvierte diverse Praktika, wurde Fachwissenschaftliche Assistenz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, war Lehrbeauftragte an der Katholischen Hochschule Mainz. 2023 verteidigte Victoria Ullmer ihre Dissertation und wurde zum Doctor rerum curae (Dr.rer.cur) - in der Pflege noch eine Besonderheit.
Dr. Ullmer ist seit einem Jahr Gastwissenschaftlerin am Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim. An ihrer Klinik in Alzey besetzt sie die Stabsstelle Pflegeentwicklung - allerdings musste sie die Arbeitszeit reduzieren, denn aktuell besetzt die Professorin eben zwei Lehrstühle.
„Es ist gerade sehr arbeitsintensiv“
Und da sind noch die zahlreichen anderen Verpflichtungen, die als Professorin eine Selbstverständlichkeit zu sein scheinen. Ullmer ist Mitglied in etlichen Fachgesellschaften, publiziert wissenschaftliche Aufsätze über eigene Forschungen, zeigt bei Tagungen Präsenz und hält Vorträge. Sie ist Mitherausgeberin im Psychiatrie-Verlag. Und natürlich muss sie ihre Kurse und Vorlesungen vorbereiten, abhalten und die Studierenden prüfen. Nicht zuletzt ist da noch ihre Arbeit in der Klinik, um den praktischen Bezug nicht zu verlieren. „Es ist gerade sehr arbeitsintensiv“, sagt Victoria Ullmer im Vorfeld der Antrittsvorlesung während eines Telefonats. Aber mit einem guten Zeitmanagement schafft sie das alles und hat noch Zeit für ein Privatleben.
Vorlesung am „Internationalen Tag der Pflegenden“
Die Antrittsvorlesung startet. Dass sie am „Internationalen Tag der Pflegenden“, am Geburtstag von Florence Nightingale, der Begründerin der modernen Krankenpflege, stattfindet, dürfte Zufall sein, wirkt aber wie ein besonderes Omen.
Prof. Dr. Ullmer fragt ihr Auditorium, wann und warum Menschen vulnerabel sind. Belastungen entstehen nicht zufällig, sondern in bestimmten Lebensphasen, sagt sie, etwa durch Leistungsdruck, Überforderung, Rollenunsicherheit. Die 33-Jährige mit den vielen Verpflichtungen, langen Arbeitstagen, einer Karriere im Schnelllauf scheint die ideale Lehrperson zu sein, zu erforschen und zu erklären, wie man mit Druck umgeht, denn, sagt sie den Zuhörenden, es gebe nicht nur Unsicherheiten, sondern auch „größte Möglichkeiten für die Entwicklung“.
Nach der Antrittsvorlesung gibt es Glückwünsche, Umarmungen, Blumen. Im Foyer werden Sekt und Schnittchen gereicht. Prof. Dr. Victoria Ullmer strahlt. Ab dem nächsten Tag geht der Alltag mit einem vollen Terminkalender weiter. Studierende werden nicht nur Lehrstoff von ihr hören und lesen, sondern sich auch inspirieren lassen, denn eine solche Karriere war in der Pflege vor wenigen Jahren noch undenkbar.
