Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach setzt neue Maßstäbe im Deeskalationsmanagement

Unfallkasse fördert Projekt in der Pflege mit 25.000 Euro - Das ganze Landeskrankenhaus soll profitieren

Unterstützer, Initiatoren, Trainer und Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Trainings fanden sich zum Fototermin auf der Dachterrasse von Haus Westerwald ein.

Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF) geht neue Wege im Umgang mit Gewalt und Aggression in der Psychiatrie: Im Rahmen eines Pilotprojekts wird die Trainerausbildung im Deeskalationsmanagement nach „OUTCOME – Deeskalation und Prävention im Gesundheits- und Sozialwesen“ eingeführt. Ziel ist es, Aggressionsereignisse zu reduzieren, Verletzungen zu vermeiden und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitenden nachhaltig zu erhöhen.
Im März endete eine sechsmonatige Weiterbildung von 22 Mitarbeitenden, die zu Deeskalationstrainern und -trainerinnen nach OUTCOME ausgebildet wurden, weitere 22 folgen. Nach erfolgreicher Pilotierung ist vorgesehen, das Projekt schrittweise auf weitere Einrichtungen des Landeskrankenhauses zu übertragen. Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz unterstützt das Projekt mit 25.000 Euro.

Weg „hin zu etwas Neuem“
RMF-Pflegedirektorin Yvonne Brachtendorf beglückwünschte die Teilnehmenden und dankte für deren Einsatz. In einem nächsten Schritt folgen Netzwerktreffen der Trainer und Trainerinnen, um die Inhalte systematisch in die Praxis zu überführen, sagte sie. Das neue Deeskalationsmanagement sei mit Maßnahmen wie verbaler Deeskalation und präventiven Maßnahmen der Weg „hin zu etwas Neuem“, die Ausbildung der Deeskalationstrainer nun quasi der Schlussstein.

Die erfahrenen Trainer Sven Keitel (Pflegedirektor Zentrum für Seelische Gesundheit am Klinikum Nürnberg) und Claus Staudter (Pflegedirektor a. D. Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim) testierten allen Teilnehmenden, sehr gute Lehrproben absolviert, erfolgreiche Facharbeiten geschrieben und mit sehr guten Gesamtergebnissen bestanden zu haben.

Neues Konzept „nachhaltig und ganzheitlich“
Ein solches Projekt zu unterstützen, „liegt uns sehr am Herzen“, sagte Dr. Christoph Heidrich, Geschäftsführer der Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Er wisse um die Wichtigkeit eines guten Deeskalationsmanagements und dass dies stetig evaluiert werden müsse. Wie erfolgreich der neue Ansatz sei, werde sich erweisen. Sicher ist für ihn aber bereits jetzt, dass das Konzept „nachhaltig und ganzheitlich“ sei und die „Gesundheit von Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeitenden“ im Blick habe. „Wir wollen, dass Sie gesund durch das Arbeitsleben kommen und mit den Therapien erfolgreich sind.“ 

Dr. Alexander Wilhelm, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, gratulierte den neuen Deeskalationstrainern und -trainerinnen. Das neu Erlernte könnten diese nun „gewinnbringend einbringen“, dass es „den Patientinnen und Patienten hilft, dass es Ihnen hilft, gesund zu bleiben“. Daher ist der Geschäftsführer „froh, dass Sie so gut geschult sind“.

Die Ausbildung selbst ist als modulares, evidenzbasiertes Weiterbildungssystem konzipiert. Sie verbindet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der Aggressionsforschung mit praxisnahen Interventionsstrategien. Ziel ist es, Fachpersonen zu befähigen, Deeskalationsprozesse professionell zu gestalten, umzusetzen und zu vermitteln. Dabei stehen sowohl die Entwicklung einer professionellen Haltung als auch Handlungssicherheit in allen Phasen der Aggressionsentwicklung im Fokus. Strukturiertes Training des Personals erhöht die Sicherheit der Mitarbeitenden, verbessert das Verständnis für Patientinnen und Patienten und lässt die Zahl physischer Übergriffe signifikant sinken.  Mit dem neuen Konzept, erklärt Projektleiterin Eva Béus, wird die besondere Bedeutung eines settingspezifischen Ansatzes deutlich: „Durch stationsinterne Trainer und Trainerinnen kann nicht nur Wissen passgenau in die bestehenden Abläufe integriert, sondern auch konkrete Handlungskompetenz für den Umgang mit herausfordernden Situationen aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt werden.“

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