Symposium unterstreicht zunehmende Bedeutung der Geriatrie
Geriatrische Fachklinik Rheinhessen-Nahe: „Forum Geriatrie - Geriatrie aktuell“ mit namhaften Vertreter:innen der Altersmedizin
Das „Forum Geriatrie“ der Geriatrischen Fachklinik Rheinhessen-Nahe (GFK) in Bad Kreuznach bewies sich erneut als eindrückliche Leistungsschau der Altersmedizin. Der Ärztliche Direktor Dr. Jochen Heckmann hatte namhafte Vertreter ihres Fachs eingeladen, um über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu referieren, die das wissenschaftliche Fortkommen der Geriatrie untermauern.
Zunächst ging Dr. Heckmann auf das im vergangenen Jahr gefeierte Jubiläum „30 Geriatrie in Rheinland-Pfalz“ sowie auf 25-jährige Jubiläum der Geriatrie seiner Klinik in diesem Jahr ein. Am Beispiel der GFK lässt sich sehr gut nachvollziehen, welche Entwicklung die Geriatrie in nur wenigen Jahren durchlief. Gestartet als reine Reha-Einrichtung, erklomm die Klinik in Bad Münster am Stein-Ebernburg zahlreiche Meilensteine, wie die Einrichtung einer Akutstation sowie der „Tandem“-Station. Die Klinik positionierte sich als hervorragender Arbeitgeber („Great Place to Work“), schuf eine Tagesklinik, eine mobile Reha und erweiterte die Akutgeriatrie durch einen Neubau am Standort in Bad Münster. „Das“, so Dr. Heckmann, „sind herausragende Etappen auf dem Weg zum heutigen Geriatrischen Zentrum.“ Das Haus ist aktiv in der Aus- und Weiterbildung. Seit einigen Monaten darf sich die GFK zusätzlich Akademisches Lehrkrankenhaus nennen.
Innovationsfondsprojekt BRIDGE
Anna Celine Reinwarth, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universitätsmedizin Mainz, berichtete über das Innovationsfondsprojekt BRIDGE, ein Projekt zur behavioralen und körperlichen Aktivierung für multimorbide, ältere Patientinnen und Patienten mit depressiven Symptomen beim stationär-ambulanten Übergang. Die Teilnehmenden werden bereits in der Klinik identifiziert und kommen dort erstmals mit dem interdisziplinär besetzten BRIDGE-Team in Kontakt. In Zusammenarbeit mit dem Team soll eine Tagesstruktur sowie Bewegung gefördert werden. Dies wird nach der Entlassung aus der Klinik über sechs Monate telefonisch, digital sowie durch Hausbesuche durchgeführt.
Pharmakotherapie im höheren Lebensalter
Prof. Dr. Jürgen Bauer, Ärztlicher Direktor des Geriatrischen Zentrums am Universitätsklinikums Heidelberg und des Agaplesion Bethanien Krankenhauses Heidelberg, sprach über aktuelle Erkenntnisse zur Pharmakotherapie im höheren Lebensalter. Nicht alleine die Zahl der einzunehmenden Medikamente ist entscheidend, so der renommierte Geriater, sondern auch das Krankheitsbild – es ist also ganz individuell abzuwägen. Nach seinem Vortrag kam es zu einer angeregten Diskussion mit dem Plenum, darunter auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.
Erhalt der Gesundheit im Alter – Gebrechlichkeit vorbeugen
Univ.-Prof. Dr. Cristina Polidori, Leiterin des Schwerpunkts Klinische Altersforschung der Klinik II für Innere Medizin an der Uniklinik Köln, wusste über Prävention der Frailty und den Erhalt der Gesundheit im Alter zu berichten. Frailty, die Gebrechlichkeit, ist auch ein wichtiger Faktor zur Sterblichkeit. Umso wichtiger ist es, diese zu verhindern. Ist dieser Zustand eingetreten, kann er auch rückgängig gemacht werden (Recovery durch Therapie). Dies wird beim Zustand der Disability (Behinderung bzw. Leistungsminderung oder funktionelle Störung) allerdings schwierig. Umso wichtiger ist also die Prävention. Zur Frailty-Prävention indes ist gesunde Ernährung, regelmäßiges körperliches Training und die Vermeidung toxischer Stoffe (etwa Nikotin) eine probate Strategie, die jeder und jede verfolgen kann.
Auch die Blase altert
Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Witten und Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke, referierte zu den „Besonderheiten des Harnwegsinfektes bei geriatrischen Patienten – zwischen Bakteriurie, Restharn und Inkontinenz“. Gerade in der Geriatrie sind die Themen Kontinenz bzw. Inkontinenz sehr wichtig, da auch die Blase altert, die Muskulatur und die Elastizität des Bindegewebes nachlässt. Bei nachlassenden kognitiven Fähigkeiten wird die Steuerung zusätzlich schlechter. Selbst Stoffe, die in Zusammenhang mit einer Demenzbehandlung stehen, können sich auswirken. Prof. Dr. Wiedemann ging auf Studien ein, etwa zur Akzeptanz eines Katheters. Selbst dem Mythos, ob Cranberrys helfen, wurde nachgespürt (sie helfen übrigens nicht). Es ist also ein sehr vielfältiges Thema und entsprechend entwickelte sich auch im Anschluss an diesen Vortrag eine rege Diskussion mit dem Plenum.
