Tiergestützte Intervention in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach
Tanja Hansen und ihre Therapiehunde sind ein tierisch gutes Team
Tanja Hansen führt seit etwa vier Jahren die tiergestützte Intervention an der Rhein-Mosel-Fachklinik durch. Und um dahin zu kommen nahm die gelernte Krankenschwester, die auch mal stellvertretende Stationsleiterin war, einiges auf sich, denn mit der Anschaffung eines Hundes alleine ist es noch lange nicht getan. Dass Tanja Hansen sich für Pudel entschied, hat seinen Grund: Sie eignen sich dank ihrer hohen Intelligenz, ihrer ruhigen und menschenbezogenen Wesensart hervorragend als Therapiehunde. Und sie haaren kaum; das ist in einer Klinik ein unschätzbarer Vorteil und freut Allergiker.
Nova und Fox heißen ihre beiden tierischen Kolleginnen. Sie suchte sie aus einem Wurf bei einem Züchter aus - und das war keine spontane „Och, wie süß“-Entscheidung, auch wenn man es bei den beiden kaum glauben mag. Vor der Ausbildung zu Therapiehunden wurden die beiden behutsam und mit ausreichend Zeit an ihre später folgende Ausbildung herangeführt. Sie mussten zum Beispiel einen Aggressionstest absolvieren und Ruhe lernen. Dann folgte die Ausbildung im Therapiehundezentrum Rhein-Lahn in Bad Ems. Pro Hund kostet eine solche Ausbildung einen vierstelligen Betrag.
Tiere tun gut, das soll schon Sigmund Freud gewusst und seinen Chow-Chow zu Patienten als Eisbrecher mitgenommen haben. Tanja Hansen wundert so etwas gar nicht. „Der Hund nimmt einen immer so wie man ist“, sagt sie. Hunde sind vorurteilsfrei, niemand sieht für den Vierbeiner hässlich aus, Hunde fokussieren sich auf innere Werte. Auf der anderen Seite weiß die erfahrene Hundeführerin, dass Menschen für einen Hund mehr tun; eine gute Voraussetzung, um mit tierischer Unterstützung therapeutisch etwas zu erreichen. Es gibt Menschen, die können einfach nicht gut mit anderen Menschen soziale Beziehungen aufbauen, erklärt sie beispielhaft. Über Hunde kann das funktionieren, solche Patienten können sich so regulieren, schildert Tanja Hansen.
Ein Hund spürt menschliche Nervosität
Hunde spüren, wenn jemand nervös oder aufgeregt ist. Dann suchen die Therapiehunde Körperkontakt mit den jeweiligen Menschen; das beruhigt, wie viele bestätigen können. „Unruhige Patienten beruhigen sich so“, sagt Tanja Hansen. Nova und Fox merken auch, wenn ihre Besitzerin nervös ist und sind dann dicht bei ihr - es ist faszinierend zu beobachten, wie die Tiere das spüren und darauf reagieren.
Wer beim Streicheln mit dem Mund zu dicht kommt, erlebt, wie die Hunde den Kopf zur Seite drehen. Das wurde ihnen aus hygienischen Gründen antrainiert. Der berühmte Hundekuss war übrigens schon einmal Thema beim Hygieneforum des Landeskrankenhauses und ist, wie sich in einem Fachvortrag zeigte, wirklich keine gute Idee.
Die beiden Vierbeiner lernen als Therapiehunde noch viele andere Dinge. Sie können Menschen lesen, sagt Tanja Hansen, sie erkennen, wenn Menschen gestresst sind. Sie können Entertainer sein und Menschen abholen, um Zugang zueinander zu finden. Sie können Dinge vom Boden aufheben, sogar Karten ziehen. Und sie zaubern ein Lächeln auf die Gesichter derjenigen, die einmal mit ihnen zu tun hatten.
Ihre Therapiehunde ersetzen keine Tablette, weiß Tanja Hansen. Aber sie unterstützen die Therapie auf ihre ganz eigene Weise. Das tun sie in Gruppen- wie auch in Einzeltherapien. Dort helfen sie Stress zu regulieren, durch ihre bloße Anwesenheit Puls und Blutdruck zu senken und das Stresshormon Cortisol abzubauen. Ein Hund wirkt stimmungsaufhellend, lockt aus einem Antriebsdefizit, dient als Begleiter bei Expositionsübungen, schenkt ein Gefühl von sozialer Zugehörigkeit und Akzeptanz, hilft bei der Selbstregulation durch das Spiegeln von Unruhe und dem Belohnen ruhigen Verhaltens.
Ausgleich ist für die Hunde wichtig
Maximal 20 Minuten am Stück, maximal drei Stunden pro Tag dürfen und können die Hunde die anstrengende Arbeit verrichten, erklärt Tanja Hansen. Da Hunde die Anspannung psychiatrischer Patienten intensiv spüren, kann dies sonst zu einer Reizüberflutung führen. Das wiederum könnte bei den vierbeinigen Kollegen zu Erschöpfung, chronischem Stress und Verhaltensproblemen führen. Zwischendrin lässt Tanja Hansen ihre beiden Hunde daher Hunde sein. Dann wird der Garten hinter dem Haus genutzt. Die beiden müssen mit ihrer Energie irgendwo hin. „Ausgleich ist für die Hunde wichtig“, sagt ihre Besitzerin und Kollegin.
Es übt eine gewisse Faszination aus, den beiden Hunden dann zusehen. Sie gehen ungezwungen miteinander um, manchmal ein wenig chaotisch, so wie junge Hunde es beim Spielen eben tun. Da ist ein Kuscheltier das begehrenswerteste Objekt, das stolz im Maul durch die Gegend getragen wird. Sind sie aber bei der Arbeit, agieren sie mit Menschen, sind sie wie ausgewechselt, konzentriert, auf die Menschen fokussiert. Tanja Hansen gibt dann nur kurze Kommandos, spricht sie oder erteilt sie durch unscheinbare Handbewegungen. Die beiden Pudel-Damen Nova und Fox sind sofort in ihrer Rolle als Therapiehunde. Und diese Rolle füllen sie mit bemerkenswerter Konsequenz aus.
„Ich habe schon einen Traumjob“, sagt Tanja Hansen. Wie viele Menschen kennt man, die das von sich sagen können? Sie arbeitet mit Menschen und mit Tieren. Genau das wollte sie immer. Wenn das kleinste ihrer Kinder groß genug ist, wird sie sich vielleicht noch einen besonderen Herzenswunsch erfüllen und tiergestützte Intervention studieren. Wir drücken die Daumen!
