Was Roboter im Krankenhaus mit Hygiene zu tun haben
11. Infektiologie- und Hygieneforum des Landeskrankenhauses zeigte auf, was auf die Branche zukommt
Alzey. Wer sich mit Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI) näher beschäftigt, kann nur zu dem Schluss kommen, dass Science Fiction dabei ist, im Gesundheitswesen Realität zu werden. Erste Roboter werden bereits genutzt, KI noch häufiger. Auch beim 11. Infektiologie- und Hygieneforum des Landeskrankenhauses bewiesen die Organisatoren rund um Juliane Pett, Leiterin der Kompetenzstelle Hygiene, ihr Gespür für aktuelle Themen und solche, die schnellen Schrittes auf die Branche zukommen.
Referentin Petra Fleischer, Beraterin für Kommunikation und KI im Gesundheitswesen, nennt Robotik „KI zum Anfassen“. KI werde schon heute bei der Auswertung bildgebender Verfahren genutzt, bei administrativen Tätigkeiten, Roboter in der Logistik. Japan als „Extrembeispiel“ zeige, wie man einer Überalterung der Gesellschaft, Fachkräftemangel und Kostendruck mit Technik begegnen kann. Hierzulande würden etwa Roboterhunde eingesetzt. Der kleine Roboter „Temi“, den die Referentin mitbrachte wird angelernt, um im Krankenhaus zu unterstützen. „Das ist etwas Reales.“ Dabei müsse man aber die Angst nehmen, dass kein Personal ersetzt, sondern vielmehr das Personal unterstützt werden solle.
Worüber man sich Gedanken machen müsse, so die Kommunikationsexpertin, sei das Thema Hygiene. Je dichter Roboter an Menschen arbeiten, desto wichtiger werde es, dass keine Erreger von Patient zu Patient verschleppt werden. Bis 2035 werde Robotik im Gesundheitswesen „voraussichtlich zunehmend normal“ und oft im Hintergrund präsent sein. Die im Krankenhaus mit dem Thema Hygiene betrauten Personen (wie zum Beispiel die Hygienefachkräfte) müssten von Anfang an bei der Entwicklung dabei sein.
Zu den namhaften Referentinnen und Referenten der Fachtagung in der Rheinhessen-Fachklinik Alzey gehörte auch Univ.-Prof. Dr. Markus Knuf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Worms. Er hielt einen eindrucksvollen Vortrag zum Thema „Blickdiagnosen und (un-)sinnige Diagnostik in der Infektiologie?“. Er zeigte zahlreiche Beispiele aus dem Klinikalltag, die sprachlos machen können. Knuf berichtete von einem Säugling, der vom eigenen Vater mit Keuchhusten angesteckt wurde und verstarb. Influenza sei „in Deutschland keine harmlose Erkrankung“ und „keine Seniorenerkrankung“ - das Thema Impfung muss dringend diskutiert werden.
Wie war das mit den Arztkitteln?
Auch in der Hygiene müsse man „den Blick fürs Wesentliche behalten“, sagte Dr. Georg Zinn, Bioscentia Healthcare Ingelheim, der Erstaunliches aus 20 Jahren Hygiene zusammentrug. Dürfen Wunden mit Leitungswasser ausgespült werden? Die Meinungen gehen offensichtlich auseinander, obwohl doch höchste Anforderungen gelten, „sobald ich das bei jemand Drittem ausführe“. Das Thema Arztkittel wird oft diskutiert - kurze Ärmel bringen mehr Hygiene, aber einen Statusverlust bei Patienten mit sich, wie sich in Krankenhäusern zeigte. Sind Lagerungshilfen ein Hygienerisiko? Es gehe nicht darum, Angst zu machen, so der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, sondern zu sensibilisieren.
In Krisenzeiten auf Mehrweg umstellen?
PD Dr. Christian Brandt, Leiter der Sektion Krankenhaus- und Umwelthygiene am Universitätsklinikum Heidelberg, berichtete von der Umsetzung des politischen Willens, die Krisenresilienz im Land zu fördern. Rheinland-Pfalz gehe als Bundesland mit gutem Beispiel voran und lege im Landeszentrallager Vorräte wichtiger Verbrauchsmaterialien an. Selbst die Überlegung, ob in Krisenzeiten die Umstellung auf Mehrweg wie in früheren Zeiten möglich ist, werde dabei getätigt.
Dr. Markus Winter, Chefarzt Anästhesiologie am Alb-Donau Klinikum Blaubeuren, zeigte, wie man eine Hygienefortbildung, die jedes Jahr durchgeführt werden muss, ganz anders durchgeführt werden kann, um Aufmerksamkeit statt Langeweile zu erzeugen - die Fachleute vor Ort waren eindeutig mehrheitlich begeistert. Dr. Alexander Wollkopf (Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn) referierte zur Gestaltung von Krankenhaus-Regelbegehungen durch das Gesundheitsamt und setzt auf transparente, verlässliche Prozesse, um eine klare Orientierung für die Beteiligten zu schaffen. Dr. Armin Grawe, sprach zur strukturierten Diagnostik und Therapie des Harnweginfekts. „Wie verhindere ich Komplikationen aber vermeide einen Therapieexzess?“
„Uns gehen die Themen nicht aus“, sagte Dr. Alexander Wilhelm, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses. Daher sei dieses Forum „wertvoll“: Die Fachleute tauschen Wissen und Erfahrungen aus und nähmen gute Impulse für die eigene Arbeit mit. Das 12. Infektiologie und Hygieneforum wird im kommenden Jahr wieder in Andernach stattfinden.
