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„Changes“ – Gewalt verstehen. Prävention neu denken. Täter:innenbehandlung innovativ gestalten.

Die diesjährigen Forensiktage stehen im Zeichen des Wandels. Dabei widmen wir uns zunächst im Sinne des Verstehens grundlegenden Informationen zu Gewalt und Kriminalität. Ein Schwerpunkt liegt auf der Einordnung entsprechender Phänomene in der Allgemeinbevölkerung sowie bei Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, eine differenzierte Perspektive zu fördern und damit vereinfachenden Zuschreibungen sowie der Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen entgegenzuwirken. Angesichts der Aktualität werden auch Gewalt und Kriminalität als Folge von Migration und Flucht beleuchtet.

Veranstaltungsinformationen

Montag, 2. November, 8.30 - 16 Uhr
Dienstag, 3. November, 9.15 - 16.15 Uhr

Konferenzzentrum der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach, Vulkanstraße 58, 56626 Andernach

Teilnahmebeitrag inkl. Tagesverpflegung: 
199 EUR (zzgl. MwSt.) für beide Tage
104 EUR (zzgl. MwSt.) für einen Tag
Teilnahme Abendveranstaltung:
40 EUR exkl. Getränke (inkl. MwSt.)

Zur Anmeldung

Darauf aufbauend richtet sich der Fokus auf nationale und internationale Präventionskonzepte. Vor dem Hintergrund der geplanten Schaffung einer Präventionsstelle der Klinik Nette-Gut sollen unterschiedliche Ansätze der Gewaltprävention vorgestellt und diskutiert werden.

Am zweiten Tag setzen wir uns mit therapeutischen Konzepten für jene Fälle auseinander, in denen präventive Maßnahmen nicht gegriffen haben und Betroffene in unsere Behandlung gelangt sind. Dabei werden innovative Ansätze der Therapiegestaltung und aktuelle Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Nutzung von Kinderpornografie bzw. (Missbrauchs-)Darstellungen von Kindern vorgestellt sowie die Zusammenarbeit mit einem Kooperationspartner im Hinblick auf rehabilitative Behandlung gemeinsam reflektiert.

Wir freuen uns darauf, Sie bei unseren 20. Forensiktagen der Klinik Nette Gut am 2. und 3. November 2026 im Konferenzzentrum der Rhein-Mosel-Akademie in Andernach zu begrüßen.

Programm 2. November

8.30 Uhr - Check-in

9 Uhr

  • Begrüßung - Dr. Alexander Wilhelm, Geschäftsführer Landeskrankenhaus (AöR)
  • Grußworte 
    Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit
    Thomas Przybylla, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm
    Dr. Christoph Gerth, Geschäftsführender Leiter des Maßregelvollzugs Landeskrankenhaus (AöR)
  • Musikalische Begleitung - Patientenband der Klinik Nette-Gut
  • Moderation - Sonja Dette

Gewalttaten werden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht – eine Assoziation, die durch mediale Berichterstattung verstärkt wird, jedoch der empirischen Evidenz nur bedingt standhält. Der Vortrag beleuchtet auf Basis aktueller Register- und Kohortenstudien die tatsächlichen Prävalenzraten und differenziert zwischen absoluten und relativen Risiken. Analysiert werden gemeinsame Risikofaktoren wie Substanzkonsum, frühere Gewalterfahrungen und soziale Desintegration sowie störungsspezifische Konstellationen, die das Gewaltrisiko erhöhen können. Besondere Aufmerksamkeit gilt der medialen Zuschreibung „Der muss doch krank sein" und deren fachlicher Einordnung. Ziel ist eine evidenzbasierte Perspektive, die der Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen entgegenwirkt und Implikationen für Prävention und Versorgung aufzeigt.

 

Prof. Dr. Boris Schiffer schloss sein Studium der Psychologie an der Universität Bonn im Jahr 2002 ab. Anschließend war er bis 2012 am Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen wissenschaftlich tätig. Im Jahr 2005 wurde er mit einer Arbeit über die neuronalen Systeme in der Steuerung normalen und devianten Sexualverhaltens an der Ruhr-Universität Bochum zum Dr. rer. nat. promoviert, erlangte 2008 die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut sowie 2009 die Anerkennung als Fachpsychologe für Rechtspsychologie. 2012 wurde er auf die Juniorprofessur für Forensische Psychiatrie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) berufen, die im Jahr 2019 zu einer W2-analogen Universitätsprofessur für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie verstetigt wurde. Er leitet seitdem die gleichnamige Forschungsabteilung am LWL-Universitätsklinikum der RUB sowie den Bereich Versorgungsforschung der LWL-Akademie für Forensische Psychiatrie. Außerdem ist er seit 2015 Direktor der LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten stehen die (neurobiologischen) Mechanismen aggressiven und sexuell übergriffigen Verhaltens bei psychisch gesunden wie kranken Straftätern sowie deren Bedeutung für Diagnostik, Therapie und Rückfallprävention.

Migrant:innen, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Geflüchtete sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik überrepräsentiert. Diese Zahlen täuschen jedoch aus verschiedenen Gründen und führen dazu, dass diese Gruppen in der medial-öffentlichen Wahrnehmung stigmatisiert werden. Gleichzeitig sind sie häufiger selbst von Gewalt betroffen und rund ein Viertel der Geflüchteten leidet unter psychischen Problemen. Bei Geflüchteten treffen mehrere Risikofaktoren zusammen und gleichzeitig ist die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung unzureichend. Wenn drei von vier der von der Polizei in den vergangenen Jahren erschossenen Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation waren, müssen polizeiliche und sozialpsychologische Interventionsstrategien überdacht werden.

 

Prof. Dr. Thomas Feltes ist Jurist und Sozialwissenschaftler und war von 2002 bis 2019 Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Von 1992 bis 2002 war er Rektor der Hochschule der Polizei in Baden-Württemberg. Als Experte war er mehr als 35 Jahre für UN, EU, Europarat, Interpol, FBI, OSZE u. a. international tätig. 2005 gründete er den Aufbaustudiengang „Kriminologie, Kriminalistik und Polizeiwissenschaft" an der juristischen Fakultät der RUB. Von 2018 bis 2020 vertrat er die Bundesrepublik Deutschland im Komitee zur Verhütung von Folter und erniedrigender Behandlung (CPT) des Europarates. Feltes ist als Strafverteidiger und Gutachter im Bereich der Sicherungsverwahrung sowie in Fällen tödlicher Polizeigewalt tätig.

Drei Impulsvorträge (jeweils 15 Minuten) und Diskussion (15 Minuten)

Präventionsstellen am Beispiel des bayerischen Modells

Die Präventionsstellen in Bayern bieten Patientinnen und Patienten, die im Kontext einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis oder einer schweren Persönlichkeitsstörung ein erhöhtes Risiko für gewalttätiges Verhalten innehaben, ein ambulantes Behandlungskonzept an, mit dem Ziel, den Betroffenen ein möglichst „normales“ Leben zu ermöglichen, das zivilrechtliche und/oder strafrechtliche Zwangsunterbringungen wegen Fremdgefährdung entbehrlich macht. 

In diesem Beitrag wird die seit 2023 in Regensburg ansässige „Präventionsstelle Oberpfalz“ vorgestellt. Fokussiert wird auf Entstehung und Entwicklung dieser spezialisierten Ambulanz. Umfang und Grenzen des Behandlungsangebots sowie die Herausforderungen an das Schnittstellenmanagement (Allgemeinpsychiatrie, Polizei, Gericht etc.) werden diskutiert. 

 


Dr. Kirsten Lange studierte Humanmedizin an der Georg-August-Universität in Göttingen. Sie war zunächst als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit den Zusatzqualifikationen Suchtmedizinische Grundversorgung, Forensische Psychiatrie (BLAEK, DGPPN) und als Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie der Universität Regensburg tätig. Seit 2019 ist sie Chefärztin des Zentrums für Forensische Therapie Psychischer Erkrankungen (§ 63 StGB, Erwachsene und Jugendliche), seit 2023 hat sie die gemeinsame Leitung der Präventionsstelle Oberpfalz mit Prof. Dr. Timm Pöppl inne. 

PeRiskoP (Personen mit Risikopotenzial) – Konzept der Polizei NRW

Der Vortrag stellt das Konzept PeRiskoP der Polizei NRW vor. Das Konzept wurde zur Verhinderung von schweren, zielgerichteten Gewalttaten entwickelt. Die internationale Forschung zeigt, dass schwere zielgerichtete Gewalttaten häufig Endpunkt einer krisenhaften Entwicklung sind, in deren Verlauf viele Frühwarnsignale (z. B. Abschiedshandlungen) zu erkennen waren. Ziel von PeRiskoP ist es, solche gefährlichen Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und mit geeigneten Maßnahmen das Risiko für schwere Gewalttaten zu verringern. Dafür ist eine Zusammenarbeit, insbesondere zwischen Gesundheitswesen, kommunalen Behörden und Polizei von großer Bedeutung. Der Vortrag beleuchtet die Rahmenbedingungen, die Einführung einer strukturierten und qualifizierten Prüffallbearbeitung in den verschiedenen Kreispolizeibehörden und die Arbeit in einer neu aufgebauten interdisziplinären Zentralstelle. Daran schließt sich eine Diskussion zu bisherigen Herausforderungen und Erfolgen an.

Justin Albrecht (M. Sc. Psychologie, Fachpsychologe für Rechtspsychologie BDP/DGPs) war als Sachverständiger im Familienrecht sowie therapeutisch im Maßregelvollzug tätig. Im Anschluss arbeitete er bei der Zentralstelle PeRiskoP im LKA NRW an der Entwicklung des Konzeptes PeRiskoP.

Christian Belz (Kriminalhauptkommissar) war bisher vermehrt im Bereich der konzeptuellen Polizeiarbeit u. a. in den Bereichen der Jugendkriminalität und der rückfallgefährdeten Sexualstraftäter:innen tätig. Bei der Zentralstelle PeRiskoP im LKA NRW berät er die Kreispolizeibehörden in NRW. 

Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir im Kontext des polizeilichen Bedrohungsmanagements von der Übersendung eines Portraitfotos absehen.


Justin Albrecht
Christian Belz

KAPPA-Projekt („Kontinuierliche Allgemeinpsychiatrische und Prä-/Postforensische Psychosenbehandlung in Hamburg-Altona“)

Das KAPPA-Projekt ist eine Maßnahme des Hamburger Landespsychiatrieplans 2025 und versucht, bereits etablierte Versorgungsformen mit neuen Projekten bzw. Konzepten für darüber hinaus gehende Therapieangebote zu bündeln, um so eine sozialraumorientierte allgemeinpsychiatrische und punktuell forensische Behandlung von SMI-Patient:innen mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis zu erreichen.

Dabei sollen die kategorialen Grenzen zwischen forensischer und allgemeiner Psychiatrie dynamischer gestaltet und (wieder) Richtung Allgemeinpsychiatrie verschoben werden.

Neben Behandlungsoptionen bietet das Projekt somit auch präventive Interventionen, die schweren und forensischen Krankheitsverläufen vorbeugen sollen und nimmt ebenso Schnittstellen zum SGB IX auf.

Die Hamburger Bürger:innenschaft stellt für das Projekt knapp 6 Mio. Euro bereit.


Dr. Ulf Künstler wurde 1966 in Leipzig geboren. Von 1987 bis 1993 studierte er Medizin an der Universität Leipzig. An der Klinik für Psychiatrie der Universität Leipzig absolvierte Herr Dr. Künstler von 1993 bis 2000 seine Weiterbildung zum Facharzt und promovierte 1997 mit dem Thema „Individuelle neuroleptische Therapie“. Daran anschließend arbeitete er von 2000 bis 2003 als Oberarzt an der Direktion für Sozial- und Gemeindepsychiatrie der Universitären Psychiatrische Dienste Bern (Schweiz). Ab 2003 war er als Ärztlicher Direktor und Chefarzt im Diakoniewerk Zschadraß und als Ärztlicher Leiter des MVZ Landkreis Leipzig tätig.

Im Jahre 2005 bis 2007 absolvierte Herr Dr. Künstler ein Postgradualstudium an der University of Salzburg Business School (Österreich) und schloss dies als akademischer Health Care Manager ab. 2008 bis 2009 übernahm er vertretungsweise die Professur für Sozialmedizin an der Fachhochschule Nordhausen. Von 2010 bis 2013 arbeitete er als Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Fachklinikum Bernburg, gleichzeitig auch als ärztlicher Geschäftsführer der Salus-Praxis. Seit 2013 ist er als Chefarzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Asklepios Westklinikum Hamburg tätig, seit 2015 auch als stellvertretender ärztlicher Direktor.

Er ist Co-Leiter des Referats Gemeindepsychiatrie und Ständiger Vertreter der DGPPN im bundesweiten Kontaktgespräch Psychiatrie. Zudem ist er Mitglied der Schizophrenia International Research Society (SIRS). Ebenfalls ist er im Fachbeirat der Fürstenberg Foundation.

Gutachtenseminar

Sie interessieren sich für gutachterliche Tätigkeit? In diesem zweitägigen Seminar können Sie einen ersten Einblick in den Themenbereich erhalten. Welche Fragestellungen können als Sachverständige:r im Zivil- und Strafrecht auf Sie zukommen, in welchen rechtlichen Rahmenbedingungen bewegen Sie sich als Gutachter:in, was ist Ihre „Rolle“ und was müssen Sie dafür an Know-how mitbringen? Auch Rollenkonflikte und herausfordernde Situationen gehören zum Sachverständigenalltag dazu – wie können Sie damit umgehen? In diesem Seminar erhalten Sie Antworten auf diese Fragen und setzen sich mit den Grundlagen der Schuldfähigkeitsbegutachtung gem. §§ 20, 21 StGB auseinander. Sie erhalten eine Übersicht über die abzuarbeitenden Beurteilungsschritte und erproben diese an einem konkreten Fallbeispiel. Wir arbeiten in kollegialer Runde und freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Das Seminar richtet sich an Psychologinnen/Psychologen und Ärztinnen/Ärzte, die einen ersten Einblick in die gutachterliche Tätigkeit im Strafrecht erhalten möchten. Die Teilnehmendenzahl dieses Seminars ist limitiert. Teilnehmende, die das Gutachtenseminar buchen, sind automatisch für die Seminarteilnahme an beiden Tagen angemeldet. Eine Teilnahme an nur einem der Seminartage ist nicht möglich.

 

Liba Ivankova ist Dipl.-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und Fachpsychologin für Rechtspsychologie (BDP/DGPs). Nach 10-jähriger psychotherapeutischen Tätigkeit in der privaten Suchtklinik Bad Tönisstein für erwachsene alkohol- und medikamentenabhängige Patient:innen, wechselte sie 1999 in die Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie. Zunächst arbeitete sie in der Patientenversorgung, bevor sie in das Gutachteninstitut der Klinik Nette-Gut wechselte – hier ist sie seit nunmehr 14 Jahren als psychologische Sachverständige im Strafrecht tätig.

 

Dr. Regina Mayr-Erlinger ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach ihrem Medizinstudium und der Promotion an der Universität Tübingen absolvierte sie ihre Fachärztinnenausbildung an der Uniklinik Tübingen. Dort war sie in Forschung, Klinik und Lehre tätig, mit Schwerpunkt im Suchtbereich, der Gutachtenstelle sowie in der forensisch-psychiatrischen Ambulanz. Zudem ist sie als psychiatrische Sachverständige im Strafrecht tätig. Seit 2024 war sie als leitende Oberärztin in der suchtherapeutischen Abteilung der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie beschäftigt, seit 2025 leitet sie die Abteilung als Chefärztin.

Vertiefungsseminare zu den Vorträgen vom Vor- und Nachmittag

  • Vertiefungsseminar 1: Präventionsstellen am Beispiel des bayerischen Modells
  • Vertiefungsseminar 2: PeRiskoP (Personen mit Risikopotenzial) – Konzept der Polizei NRW
  • Vertiefungsseminar 3: KAPPA-Projekt
  • Vertiefungsseminar 4: Die Fachstelle Forensic Assessment & Risk Management (FFA)

Alternativ: Gutachtenseminar von 13 bis 16 Uhr

 

Die Fachstelle Forensic Assessment & Risk Management (FFA) der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich unterstützt im Rahmen des Kantonalen Bedrohungsmanagements Zürich die interdisziplinäre Einschätzung und Bearbeitung potenziell gewaltbezogener Entwicklungen. Sie stellt forensisch-psychiatrisches und forensisch-psychologisches Fachwissen für Polizei, Staatsanwaltschaften und allgemeinpsychiatrische Kliniken zur Verfügung.

Ziel der FFA ist es, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, ein gemeinsames Fallverständnis zu fördern und geeignete Maßnahmen im Risk Assessment und Risk Management abzuleiten. Dabei verbindet die Fachstelle klinische, rechtliche und sicherheitsbezogene Perspektiven und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Prävention schwerer Gewaltdelikte sowie zur Unterstützung der psychiatrischen Versorgung in komplexen Risikosituationen.

Im Vortrag wird das Modell der Zürcher Fachstelle vorgestellt, welche mittlerweile auf über 10 Jahre Erfahrung im kantonalen Bedrohungsmanagement zurückblickt. Im Vertiefungsseminar „Interdisziplinäre Fallarbeit im Zürcher Modell der FFA: Implikationen für Prävention und Intervention“ wird aufgezeigt, wie die Zusammenarbeit zwischen Forensischer Psychiatrie, Allgemeinpsychiatrie, Staatsanwaltschaft und Polizei in der Praxis gestaltet und umgesetzt wird.

 

Dr. Dipl.-Jur. Catharina Schmidt ist als Leitende Ärztin der forensisch-psychiatrischen Gutachtenstelle und der Fachstelle Forensic Assessment & Risk Management der Forensischen Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich tätig. Sie studierte Medizin und Rechtswissenschaften mit kriminologischem Schwerpunkt und promovierte im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie trägt den Schwerpunkttitel für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Schweizerischen Gesellschaft für Forensische Psychiatrie und ist in der Fachstelle für Forensic Assessment & Risk Management ihrer Klinik Ansprechpartnerin für Risikoeinschätzungen und Fallbesprechungen von gewaltbereiten Patientinnen und Patienten für die kantonalen allgemeinpsychiatrischen Kliniken mit dem Ziel, forensisches Fachwissen zur Verfügung zu stellen, um Gewaltprävention an der Schnittstelle zur Allgemeinpsychiatrie zu erreichen. 

Der Vortrag beleuchtet Ansätze zur Gewaltprävention in Großbritannien mit besonderem Fokus auf der Zusammenarbeit zwischen forensischer Psychiatrie, Allgemeinpsychiatrie und Polizei. Vorgestellt werden rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen sowie die praktische Umsetzung der „Liaison & Diversion“-Projekte, die zum Ziel haben Personen mit psychischen Erkrankungen frühzeitig im Strafprozess zu identifizieren und ggf. formale Bestrafung zugunsten von Behandlung zu vermeiden. Außerdem wird die Zusammenarbeit zwischen forensischer und Allgemeinpsychiatrie in der Risikoeinschätzung und im Patient:innenmanagement beleuchtet. Chancen und Herausforderungen interinstitutioneller Kooperation werden diskutiert, darunter Datenschutz, Verantwortlichkeiten und wissenschaftliche Evidenz. 

 

Prof. Dr. Birgit Völlm (PhD MRCPsych DiplForPsych) hat im September 2018 die Leitung der Forensischen Psychiatrie an der Unimedizin Rostock übernommen. Davor war sie als Professorin für Forensische Psychiatrie an der Universität Nottingham und als Oberärztin in dem nationalen Pilotprojekt für schwer persönlichkeitsgestörte Patienten in der Hochsicherheitsforensik Rampton Hospital tätig.

Von 1990 bis 1996 studierte sie an der Universität in Witten/Herdecke Medizin. Ihre Fachärztinnenausbildung absolvierte sie in Deutschland, der Schweiz und England (Oxford, Manchester, Nottingham). 2002 erhielt sie ihr Diplom für Forensische Psychiatrie vom ‚Institute of Psychiatry in London‘, ihre Fachärztinnenqualifikation für forensische Psychiatrie sowie PhD an der Universität Manchester in 2007. Während ihrer akademischen Laufbahn beschäftigte sie sich unter anderem mit der Neurobiologie der antisozialen Persönlichkeitsstörung, der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, mit ethischen Fragen der forensischen Psychiatrie und internationalen Vergleichen der Versorgung. Sie leitete nationale und internationale Drittmittelprojekte u. a. zu den Themen ‘Long-stay’, ‘Individual Placement Support’ und der Reintegration von Sexualstraftätern. In jüngster Zeit befasste sie sich mit der Implementierung von Genesungsbegleitung sowie partizipatorischer Forschung in der forensischen Psychiatrie und leitet ein von der DfG finanziertes Projekt zum Aufbau einer bundesweiten Datenbank von nach § 63 StGB untergebrachten Patientinnen und Patienten. In ihrer klinischen Leitungsfunktion treibt sie eine evidenzbasierte und menschenrechtsorientierte Praxis aktiv voran. Prof. Völlm hat etwa 200 wissenschaftliche Artikel und Buchkapitel veröffentlicht und ist Mitherausgeberin des Lehrbuches „Forensische Psychiatrie - Rechtliche, klinische und ethische Aspekte“.

Prof. Völlm war und ist in zahlreichen nationalen und internationalen Vereinigungen tätig und arbeitet als Expertin für die europäische Antifolterkommission. Weitere internationale Tätigkeiten sind z. B. die Beratung der Regierung der Republik Moldau zur Psychiatriegesetzgebung und die Entwicklung eines Qualifizierungskurses für forensische Psychiatrie in Rumänien. 

Als Hobby hat Prof. Völlm das Reisen. Sie möchte alle Länder der Erde besuchen, bislang hat sie 104 bereist.
 

Abendveranstaltung

Die Teilnehmenden der Abendveranstaltung besichtigten die Marksburg – die einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein in der Kulisse des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Im Anschluss besuchen wir die urige Burgschänke, wo wir den Abend in geselliger Runde ausklingen lassen.

Ablauf

  • 16.20 Uhr - Abfahrt
  • 17.15 Uhr - Besuch der Marksburg und gemeinsames Abendessen in der Burgschänke
  • 20.30 Uhr - Ende des ersten Tages

Programm 3. November

  • Grußworte 
    Catherine Hübl, Zentralabeilungsleiterin Maßregelvollzug
    Sammy Labidi, Bürgermeister Andernach
  • Musikalische Begleitung - Patientenband der Klinik Nette-Gut
  • Moderation - Sonja Dette

Die Novellierung des § 64 StGB hat das Patientenkollektiv im Maßregelvollzug verändert. Diese Entwicklung stellt Behandlungsteams vor neue therapeutische und organisatorische Herausforderungen und machte eine rasche Anpassung bestehender Konzepte erforderlich. Vorgestellt wird das in einer multiprofessionellen Arbeitsgruppe entwickelte neue Behandlungskonzept für Aufnahmestation und Außenwohngruppe. Es werden veränderte Rahmenbedingungen und konzeptionelle Überlegungen beleuchtet sowie erste Erfahrung mit dem Programm vorgestellt.

 

Dr. Regina Mayr-Erlinger ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach ihrem Medizinstudium und der Promotion an der Universität Tübingen absolvierte sie ihre Fachärztinnenausbildung an der Uniklinik Tübingen. Dort war sie in Forschung, Klinik und Lehre tätig, mit Schwerpunkt im Suchtbereich, der Gutachtenstelle sowie in der forensisch-psychiatrischen Ambulanz. Zudem ist sie als psychiatrische Sachverständige im Strafrecht tätig. Seit 2024 war sie als leitende Oberärztin in der suchtherapeutischen Abteilung der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie beschäftigt, seit 2025 leitet sie die Abteilung als Chefärztin.

In den letzten Jahren hat die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) eine Renaissance erlebt und ist eine anerkannte und wirksame Behandlungsmethode bei schweren psychischen Erkrankungen. Es liegen evidenzbasierte Empfehlungen für den Einsatz der EKT für „Unipolare Depression“, „Schizophrenie“ und „Bipolare Störung“ vor. Auch im forensisch-psychiatrischen Kontext stellt die EKT eine wichtige Behandlungsoption dar, obgleich die Datenlage zur Anwendung der EKT in der Forensischen Psychiatrie begrenzt ist. 

Und wie verhält sich der Einsatz der EKT bei psychisch schwerstkranken, einwilligungsunfähigen Patientinnen und Patienten im Sinne einer EKT-Zwangsbehandlung? 

Dieser Thematik soll sich unter Berücksichtigung von medizinischen und ethischen Gesichtspunkten sowie mit Blick auf die aktuelle Rechtsprechung genähert werden.

Im Vertiefungsseminar werden die Inhalte des Vortrags differenzierend behandelt und damit einhergehende Problematiken und Herausforderungen praxisnah diskutiert.

 

Dr. Catia M. Loddo studierte Humanmedizin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und erlangte ihre Approbation 2002. Im Anschluss promovierte sie an der Justus-Liebig-Universität mit einer immunhistochemischen Arbeit im Fachbereich der Dermatologie/Andrologie. Im Rahmen der Weiterbildung zur Fachärztin für Rechtsmedizin war sie an den Universitätskliniken in Gießen, Köln und Homburg an der Saar und bereits erstmalige im LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt tätig. Im Rahmen ihrer Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie war sie im LWL-ZFP Lippstadt, in der LVR-Klinik Bonn, in der LWL-Klinik Lippstadt und in der Akut-Neurologie des EVK Lippstadt beschäftigt. Es folgten die Weiterbildung zur Fachärztin für Forensische Psychiatrie und ein berufsbegleitendes Studium für Forensische Psychologie an der Universität Konstanz.

Seit 2015 ist sie im LWL-ZFP Lippstadt tätig, in dem sie seit 2020 die Abteilung Klinische Psychiatrie als Chefärztin leitet. Mittlerweile ist sie seit 14 Jahren in der Forensische Psychiatrie tätig.

Unser Auftrag in der Eingliederungshilfe umfasst auch den staatlichen Auftrag, die Wiedereingliederung von Menschen zu ermöglichen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung straffällig geworden sind – dies liegt im gesamtgesellschaftlichen Interesse. In meinem Vortrag werfe ich einen Blick auf die Entwicklung und Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der Klinik Nette-Gut und dem Schönfelderhof. Ich berichte über die Herausforderungen zu Beginn, wie Informationsveranstaltungen und Hospitationen dabei halfen, Vorbehalte abzubauen, und welche Schritte zur erfolgreichen Umsetzung unternommen wurden. Zudem teile ich die bisherigen Erfahrungen: Was gut lief, was besser hätte gemacht werden können und welche Wünsche wir für die Zukunft haben. Ein spannender Einblick in eine wertvolle Partnerschaft!

Im Vertiefungsseminar erfolgt eine differenzierte Auseinandersetzung mit den im Vortrag behandelten Aspekten.

 

Rainer Klippel ist Sozialpädagoge und langjährig als Führungskraft im sozialpsychiatrischen Umfeld mit Fokus auf Teilhabe, Rehabilitation, Qualitätssicherung und strategischer Weiterentwicklung tätig. Derzeit ist er Direktor Teilhabe bei den Barmherzigen Brüdern, Schönfelderhof (2024–heute); zuvor war er Leiter des Wohndorfs Zemmer (2019–2023) und im zentralen Casemanagement der Barmherzigen Brüder, Schönfelderhof (2016–2019) tätig. 

Er verfügt über langjährige Erfahrungen in den Bereichen Beratung, Begleitung, ambulante Hilfen und spezialisierte Wohnformen sowie Fort- und Weiterbildungen in Führung, System- und Organisationsentwicklung, Teilhabe sowie Rechts- und Personalthemen. Er engagiert sich in Beiräten, Projekten, Schulen und Ehrenamt. Seine Kernkompetenzen liegen in der strategischen Planung, Personalführung, Budget, Qualitäts- und Prozessmanagement, Stakeholder-Management, Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerkaufbau und Multi-Standort-Organisation.

Aufbauend auf dem ersten Teil des Gutachtenseminars am 2. November erhalten die Teilnehmenden im zweiten Teil weitere Einblicke in die gutachterliche Tätigkeit. Da diese fachliche Sonderveranstaltung mehr Zeit in Anspruch nimmt, beginnt das Seminar bereits um 12.30 Uhr.

Wichtiger Hinweis: Teilnehmende, die das Gutachtenseminar am 1. Tag gebucht haben, sind automatisch für die Teilnahme am 2. Tag angemeldet. Eine Teilnahme an nur einem der Seminartage ist nicht möglich.

 

Vertiefungsseminare zu den Vorträgen vom Vormittag

  • Vertiefungsseminar 1: EKT im Maßregelvollzug
  • Vertiefungsseminar 2: Zusammenarbeit zwischen Maßregelvollzug und Eingliederungshilfe
  • Vertiefungsseminar 3: SafePath

Alternativ: Klinikführung (12.30 – 15.30 Uhr)

Fortführung Gutachtenseminar (12.30 – 15.30 Uhr)

SafePath – ein multiprofessionelles Angebot zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen

Das Vertiefungsseminar gibt eine praxisnahe Einführung in das SafePath-Programm, ein Konzept auf Grundlage von Schematherapie und Positiver Psychologie für die forensische Psychiatrie. Dabei stehen eine gemeinsame, multiprofessionelle fachliche Sprache und der Umgang mit den unterschiedlichen Modi der Patient:innen im Mittelpunkt. Inhalte des Seminars sind Grundlagen, Aufbau und Ziele von SafePath, die Arbeit mit Modus-Karten zur Erkennung emotionaler Muster und Bedürfnisse sowie dazugehörige Interventionen. Theoretischer Input, Fallbeispiele und interaktive Übungen vermitteln konkrete Impulse für die tägliche Praxis. 

 

Brigitte Esser, Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Psychiatrie, B. Sc. Pflegewissenschaft und M. A. Pflegemanagement.
Nach ihrem Studium war sie als Stationsleitung sowie Pflegedienstleitung in der forensischen Psychiatrie der LVR-Klinik Düren tätig. Später übernahm sie eine Stabsstellenfunktion an der LVR-Klinik Köln, wo sie als Pflegewissenschaftlerin u. a. die Implementierung des SafePath-Programms mitgestaltete. Seit Januar 2026 arbeitet sie als Bildungsreferentin am Institut für Forschung und Bildung in der Sparte Bildung.

 

Jule Klauke arbeitet seit 2021 als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der forensischen Psychiatrie. Seit 2023 ist sie in der LVR-Klinik Köln auf einer Station für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen tätig. Dort ist sie an der Implementierung und Anwendung des SafePath-Programms beteiligt.

Zweiter Teil Vertiefungsseminare

Vor dem Hintergrund steigender Hellfeldzahlen im Zusammenhang mit Kinder(missbrauchs-)abbildungen diskutiert der Vortrag deren Bedeutung für forensische Diagnostik, Risikoeinschätzung und Therapieplanung. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Informationen sich aus Art, Umfang, Kontext und Entwicklung entsprechender Materialien ableiten lassen und wie diese in die Beurteilung paraphiler Interessen und möglicher Risikokonstellationen einfließen können. Einbezogen werden empirische Befunde zu unterschiedlichen Nutzendengruppen, Überschneidungen mit Hands-on-Delikten sowie Herausforderungen bei der Klassifikation von Material, etwa bei altersuneindeutigen oder kontextabhängigen Darstellungen. Darüber hinaus werden aktuelle Fragestellungen zu KI-generierten Inhalten und neuen Technologien, wie beispielsweise Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild, aufgegriffen. Ergänzend werden neue Studiendaten zur Materialnutzung bei Menschen mit Pädophilie vorgestellt.

 

Jeanne Desbuleux ist Psychologin (M. Sc.) und promoviert seit 2022 am Institut für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), wo sie parallel dazu Humanmedizin studiert. In Kooperation mit dem Institut für Forensische Psychiatrie und Sexualforschung der Universität Duisburg-Essen war sie an mehreren empirischen Forschungsprojekten beteiligt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich digitaler Technologien im sexuellen Kontext (Digisexualität), insbesondere in der Nutzung von Sexpuppen und deren möglichen Zusammenhängen mit partnerschaftlichen Einstellungen und sexuellen Skripten. Darüber hinaus befasst sie sich mit rechtspsychologischen Fragestellungen sexualbezogener Phänomene. Für ihre Masterarbeit zur Nutzung hochrealistischer Sexpuppen und deren Zusammenhang mit dem Frauenbild der Nutzer:innen erhielt sie 2023 den Nachwuchspreis für rechtspsychologische Fragestellungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs).

Wir freuen uns darauf, Sie zu unseren nächsten Forensiktagen am 8. und 9. November 2027 zu begrüßen – Save the date!

Tagungsmanagement

Maike Söller
Rhein-Mosel-Akademie

Institut für Fach- und Führungskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen

Vulkanstraße 58 • 56626 Andernach

Maike Söller

Tel.: 02632 407-5610

Fax: 02632 407-5805

m.soeller@landeskrankenhaus.de

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