Gerontopsychiatrie

In der Gerontopsychiatrie behandeln wir Patienten, die psychische Erkrankungen aufweisen. Dies können organische, psychische Störungen, affektive Störungen, Psychosen oder auch Abhängigkeitserkrankungen sein. Neben allgemeinen, psychischen Erkrankungen sind wir auch auf die Behandlung typischer Alterserkrankungen spezialisiert.

Neben einer modernen, evidenzbasierten Diagnostik und Therapie legen wir besonderen Wert auf eine patientenzentrierte Behandlung in einem möglichst angemessenen Behandlungsrahmen. Unsere Patienten, die in der Regel älter als 60 Jahre sind, können vollstationär, stationsintegriert teilstationär oder auch ambulant behandelt werden.

Unsere Behandlungsschwerpunkte

Depressionen gehören im höheren Lebensalter zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Altersdepression ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung mit hohem Leidensdruck und hohen Suizidraten. Die Altersdepression wird häufig nicht erkannt, denn statt der depressionstypischen Symptome wie Traurigkeit oder Interessensverlust stehen eher körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden oder nachlassende geistige Leistungsfähigkeit im Vordergrund.

Neben der medikamentösen Behandlung steht bei uns die Psychotherapie im Vordergrund, die die neurobiologischen und psychosozialen Veränderungen des Alterns berücksichtigt.

Die Behandlung der Alkoholabhängigkeit erfolgt zunächst durch eine qualifizierte, körperliche Entgiftung. Diese wird umfassend psychotherapeutisch betreut. Die ggf. zugrundeliegenden, psychischen Erkrankungen werden ebenfalls in diesem Prozess diagnostiziert und können im weiteren Verlauf therapiert werden.

Jeder Mensch hat Angst. Sie ist biologisch sinnvoll und führt uns durch die Gefahren des Alltags. Menschen, die an einer Angsterkrankung leiden, haben eine Angst in einem übersteigerten Ausmaß. Bleibt eine Angststörung unbehandelt, kann sie sich verselbstständigen. Betroffene leiden an Erwartungsangst (Angst vor der Angst) und meiden Angst auslösende Situationen und Orte. Sie ziehen sich immer mehr aus ihrem Alltag zurück. Hinzu kommen häufig körperliche Symptome wie Schlafprobleme und ggf. der Versuch einer Selbsttherapie mittels Alkohol oder Drogen. Hinzu kommt ein mangelndes Vertrauen in die eigene Stärke und ein Gefühl des Ausgeliefertseins.

Die Therapie von Angsterkrankungen erfolgt mittels unterschiedlicher Bausteine und wird patientenindividuell festgelegt.

Eine psychische Krise kann zum Beispiel aus einer kurzfristig einwirkenden Belastung wie einer Schockreaktion aufgrund einer realen Gefahrensituation resultieren oder die Folge einer länger andauernden, sich anhäufenden Belastung sein. Die Ursachen für eine akute seelische Notlage sind vielfältig und können zum Beispiel durch Verlusterlebnisse oder Enttäuschungen, traumatische Erlebnisse, psychosoziale Konflikte, lebensverändernde Umstände oder Umbrüche, Entwurzelung oder Vereinsamung sowie psychische Erkrankungen wie Psychosen, Depressionen oder Angststörungen ausgelöst werden. Menschen mit vorher bestehenden psychischen Erkrankungen weisen oft eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber krisenhaften Anlässen auf.

Ob ein Mensch, auch im Alter, auf eine Belastung mit einer Anpassungs- und Belastungsstörung reagiert, ist individuell. Häufig fehlt es den Betroffenen an Strategien, um erfolgreich mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Hinzu kommt die individuelle Bewertung der Situation.

Patienten mit einer Demenz leiden an einer anhaltenden oder fortschreitenden Beeinträchtigung des Gedächtnisses, des Denkens oder anderer Hirnleistungen. Die Ursachen sind abhängig von der Demenzform und reichen von der Alzheimer-Krankheit bis hin zu einer vaskulären Demenz. Abhängig von der grundlegenden Form der Demenz erfolgt auch die Behandlung.

Das Ziel einer Behandlung einer Demenzerkrankung liegt darin, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten zu verlangsamen, um dem Patienten so lange wie möglich ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Eine Heilung ist (mit Ausnahme mancher sekundärer Demenzen) aktuell nicht möglich. Die Behandlung erfolgt patientenindividuell und beinhaltet medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien.

Menschen mit einer manisch-depressiven Störung (bipolare Störung) erleben ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Neben depressiven Phasen gibt es auch euphorische Phasen, in denen die Betroffenen aufgedreht und hyperaktiv sind. Die Diagnose einer bipolaren Störung wird mit Hilfe spezieller klinischer Fragebögen gestellt. Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös und durch Psychotherapie.

An Psychosen erkrankte Personen nehmen die Realität verändert wahr oder verarbeiten diese verändert. Wahnvorstellungen (z.B. Verfolgungswahn), Halluzinationen (z.B. Stimmen-Hören), Störungen emotionaler Regungen (z.B. Schwanken zwischen extremen Stimmungen), Denk- und Sprachstörungen, psychomotorische Auffälligkeiten sind mögliche Ausprägungen dieser Form der Psychose.

Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös und im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Wie wir arbeiten

Das Team, das sich um unsere Patienten kümmert, besteht aus Menschen unterschiedlichster Berufsgruppen. Neben Ärzten und Pflegenden sind dies Psychotherapeuten, Sport- und Ergotherapeuten. Erfahren Sie hier mehr zum Team der Gerontopsychiatrie und zu den Spezialtherapien PhysiotherapieErgotherapieSport- und Bewegungstherapie.

Jeder Patient wird in seiner Erkrankung und Persönlichkeit individuell betrachtet und das Behandlungsangebot wird entsprechend seiner Bedürfnisse ausgerichtet. Wir sprechen dabei von einem multiprofessionellen und multimodalen Behandlungsangebot entsprechend einer individuellen Fallkonzeption.

Psychotherapeutisch arbeiten wir nach den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) und der interpersonellen Psychotherapie (IPT). Dabei wird – nach eingehender Diagnostik – ein individueller Behandlungsplan entwickelt, aus dem sich dann Ansatzpunkte zur Veränderung und Behandlungsziele ergeben mit dem Ziel, die körperliche und psychische Gesundheit, die Lebenszufriedenheit sowie die Eigenständigkeit und Selbsthilfe unserer Patienten zu fördern.

Abhängig von der Erkrankung und den zugrundeliegenden Ursachen bieten wir unseren Patienten, basierend auf einem aktivierenden und rehabilitativen Ansatz, folgende Behandlungsbestandteile:

  • Psychotherapie mit Einzelgesprächen, Paargesprächen, Familiengesprächen und Angehörigengesprächen
  • kognitiv-verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologisch orientierte und hypnotherapeutische Angebote
  • Unterstützung in sozialpsychiatrischen Fragen durch unseren Sozialdienst
  • vielfältige pflegerische Angebote
  • Begleitung und Unterstützung während des eigenen Pflegeprozesses
  • medikamentöse Therapie (Erfahren Sie mehr zur Anwendung von Antidepressiva und Antipsychotika)
  • vielfältige Gruppenangebote
  • Ergotherapie
  • Bewegungs- und Sportangebote
  • Genusstraining
  • Musiktherapie
  • tiergestützte Therapie auf unserem Therapiehof
  • körperorientierter Therapie
  • Elektrokonvulsionstherapie (EKT)
  • Möglichkeit der palliativen Versorgung (Palliative Care) 

Falls erforderlich und gewünscht, erarbeiten wir mit Ihnen im Rahmen unseres Entlassmanagements auch Maßnahmen zur Nachsorge und bieten Unterstützung bei

  • der Suche nach einer ambulanten Psychotherapie,
  • Anträgen zur Rehabilitationsbehandlung und/oder Teilhabe am Arbeitsleben,
  • der Einrichtung weiterer ambulanter Hilfsmöglichkeiten wie ambulante psychiatrische Pflege oder ambulante Assistenz sowie ggf. Anbindung an unsere Tagesstätte.

Über unseren Sozialdienst vermitteln wir je nach Bedarf an weiterführende Angebote des regionalen Hilfesystems und medizinische oder berufliche Rehabilitation.

Weitere Informationen zu unseren anschließenden, ambulanten Angeboten: Gerontopsychiatrische Tagesklinik Bad Kreuznach

Anmeldung / Sekretariat

Zur Terminvereinbarung und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an das Aufnahmemanagement der Allgemeinpsychiatrie 3 / Gerontopsychiatrie.

Tel.: 06731 50-1339
Fax: 06731 50-1443
RFK-AufnahmeAllgemeinPsych@rfk.landeskrankenhaus.de

Ihre Ansprechpartner

PD Dr. med. Sarah Kayser, MSc.
PD Dr. med. Sarah Kayser, MSc.
Chefärztin Allgemeinpsychiatrie 3 / Gerontopsychiatrie

Tel.: 06731 50-1278

Fax: 06731 50-1490

s.kayser@rfk.landeskrankenhaus.de

Gerharz, Viktoria
Viktoria Gerharz
Bereichsleitung Pflege Gerontopsychiatrie

Tel.: 06731 50-1286

v.gerharz@rfk.landeskrankenhaus.de